Alles begann mit einer Tomatenpflanze | Mein Weg zum Gärtnern
„Was baut ihr denn alles in eurem Garten an?“ „Alles, was du dir vorstellen kannst“, antwortete ich meiner Freundin und dachte dabei an Gemüse. „Ach, dann habt ihr also Apfelbäume, Birnbäume und so weiter?“ Ups, ertappt! „Nein, nur viel Gemüse und verschiedene Beerensorten. An Obstbäume traue ich mich im Moment noch nicht heran.“ Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hätte ich mir nicht einmal zugetraut, mein eigenes Gemüse anzubauen. Ich lade euch ein, mich auf meinem Weg zum Gärtnern zu begleiten, auf dem Gott mich geführt hat.
Solange ich mich erinnern kann, hatte mein Vater einen Gemüsegarten, Obstbäume und ein Gewächshaus voller Tomaten. Für meine Eltern ging es darum, genug gesunde, vollwertige Lebensmittel zu haben, um eine große Familie zu ernähren. Wir sollten im Garten mithelfen, was nicht immer Spaß machte. Bis mein Vater jedem von uns eine eigene Tomatenpflanze gab, um die wir uns kümmern durften. Später bekamen wir sogar ein eigenes kleines Beet, auf dem wir anbauen konnten, was uns gefiel, und für das wir selbst verantwortlich waren. Ich erinnere mich noch gut daran, wie viel Freude es uns machte, selbst Verantwortung zu übernehmen und unserer Kreativität freien Lauf zu lassen!
„Wenn möglich, sollte das Zuhause außerhalb der Stadt liegen, wo die Kinder ein Stück Land zum Bearbeiten haben können. Gebt jedem von ihnen ein eigenes Stück Boden. Während ihr ihnen zeigt, wie man einen Garten anlegt, den Boden für die Aussaat vorbereitet und wie wichtig es ist, alles Unkraut zu entfernen, lehrt sie auch, wie wichtig es ist, unschöne und schädliche Gewohnheiten aus dem eigenen Leben fernzuhalten.“ — Counsels on Agriculture, S. 46 (eigene Übersetzung)
Auch an die gemeinsame Arbeit mit meiner Familie denke ich gerne zurück. An einem winterlichen Sonntagmorgen saßen wir alle um den Tisch und pulten einen großen Berg Bohnen. Dabei hatten wir Zeit füreinander, die uns im Alltag oft fehlte.
Schließlich landete ich an einer Universität, die für ihre Studiengänge in Landwirtschaft und Gartenbau bekannt war – auch wenn ich dort Ernährungswissenschaften studierte. Rückblickend erkenne ich deutlich Gottes Führung darin, dass ich in diese eher kleine Stadt in einer ländlichen Gegend kam. In meiner Studentenwohnung hatte ich nur eine einzige Pflanze, um die ich mich gewissenhaft kümmerte. Doch mein Interesse am Gärtnern schlummerte weiter in mir. Meine Masterarbeit beschäftigte sich mit (Ernährung und) sogenannten „Green Care Farms“, also Bauernhöfen, die Betreuung und landwirtschaftliche Tätigkeiten miteinander verbinden. [Die Hypothese war, dass ältere Menschen, die auf solchen Höfen eine Tagesbetreuung besuchten, besser beziehungsweise mehr essen würden als Menschen in der Tagespflege eines Pflegeheims.] Dieses Konzept begeisterte mich und weckte in mir den Traum von einem eigenen Hof mit Gemüseanbau, auf dem Menschen mit seelischen oder psychischen Problemen mitarbeiten könnten, um ihren Heilungsprozess zu unterstützen. Dieser Traum besteht noch immer, hat sich aber auf andere Weise bereits ein Stück weit erfüllt.

Nach meinem Studium führte Gott mich an eine Missionsschule in Norwegen, die tatsächlich „Europäische Bibelschule für Gesundheit und Landwirtschaft“ hieß. Der Name erinnerte sehr an den meiner Universität. Dort erging es mir allerdings wie Mose in Midian. Ich musste vieles verlernen und vieles neu lernen. Ich durfte selbst erleben, was wahre Bildung im Vergleich zur herkömmlichen Ausbildung bedeutet. Aber das ist ein Thema für ein anderes Mal. Zur Ausbildung gehörte auch die Arbeit im Garten und in den Gewächshäusern. Das machte mir am meisten Freude. Ich lernte neue Dinge kennen, die ich damals im Garten meines Vaters noch nicht gesehen hatte – Mulchen, den Boden mit Mineralstoffen versorgen und den Pflanzen Musik vorspielen, während wir ihre Blätter mit Dünger besprühten. Außerdem waren wir am gesamten Ablauf beteiligt, von der Aussaat und dem Pflanzen bis zum Verpacken der Ernte für den Verkauf.

Zurück zu Hause führte Gott mich nach und nach in Situationen, in denen ich dazulernen und das erworbene Wissen anwenden konnte. Gemeinsam mit meinem damaligen Freund legte ich auf einer Wiese unserer Nachbarn einen Garten an. Dabei probierten wir Methoden aus, bei denen wir beispielsweise Pappe auf das Gras legten, diese mit Erde bedeckten und direkt hineinsäten. Dieses Projekt hat mir wirklich viel Freude und Erfüllung geschenkt.
In den folgenden Jahren sammelte ich hier und da weitere Anregungen und Informationen. Dabei hörte ich zum ersten Mal von Permakultur und ähnlichen Konzepten, die mein Interesse weckten.
Mein Weg zum Gärtnern – Ein eigener Garten

Vor einigen Jahren bekam ich schließlich die Gelegenheit, einen eigenen Garten zu pachten. Gott führte mich auf besondere Weise an diesen Ort und schenkte mir durch verschiedene liebe Menschen die Unterstützung, die ich für den Anfang brauchte. Da es ein Schrebergarten ist, bin ich von ganz unterschiedlichen Menschen umgeben, die alle auf ihre eigene Art gärtnern – von traditionellen Methoden über Permakultur bis hin zu allem dazwischen. Eigensinnig, wie ich war, begann ich, allerlei unkonventionelle Methoden auszuprobieren. Dazu gehörte die No-Dig-Methode, bei der man ohne Umgraben mit einer dicken Kompostschicht beginnt. Im Winter deckte ich die Beete mit Stroh und anderem Pflanzenmaterial ab. Das zog einige neugierige Blicke meiner Gartennachbarn auf sich und bot uns Gelegenheit, uns auszutauschen. Schon im ersten Jahr wurde ich mit einer reichen Ernte gesegnet. Es war, als würde Gott mich anlächeln und mir ganz viel Ermutigung zum Weitermachen schenken. Besonders schön finde ich, dass ich diesen Segen in Form meiner Ernte mit Freunden, Familie und Kollegen teilen konnte und bis heute teilen kann.
In den vergangenen Jahren erfuhr ich auch von den AdAgrA-Konferenzen und war seitdem bei fast jeder dabei. Sie boten eine wunderbare Gelegenheit, Gleichgesinnte zu treffen, die ihr Wissen weitergeben, und neue Methoden kennenzulernen. Dabei ging es zum Beispiel darum, den Boden vorzubereiten und mit Nährstoffen zu versorgen, ohne Umgraben zu gärtnern, Jungpflanzen möglichst gut anzuziehen oder dem Land eine Sabbatruhe zu gönnen. Außerdem sind die Konferenzen eine schöne Gelegenheit, alte Freunde wiederzusehen und neue Freundschaften zu schließen.
Lektionen und Segnungen aus dem Garten

Am meisten Freude macht es mir, den Garten jedes Jahr neu zu planen und zu gestalten und neue Gemüsearten auszuprobieren. Dank einer reichen Ernte konnte ich auch unsere Gesundheitsarbeit mit etwas Gemüse unterstützen. Da ich zu Depressionen neige, habe ich erlebt, wie mir der Garten dabei half, wieder herauszufinden. Ich hatte etwas, um das ich mich kümmern konnte, und war an der frischen Luft aktiv. Außerdem lerne ich im Garten, kreativ und flexibel zu sein. Das allgegenwärtige Unkraut lehrt mich, durchzuhalten, auch wenn die Arbeit schwerfällt. Mein Garten sieht weder perfekt noch besonders ordentlich aus, denn essbare Pflanzen, die sich ihren Platz selbst ausgesucht haben, lasse ich gerne stehen 😊. Ich habe Freude daran, neue und alte Methoden auszuprobieren und immer wieder die Lektionen zu lernen, die Gott uns in der Natur gibt. Und wer weiß, vielleicht pflanze ich als Nächstes ja doch ein paar Obstbäume 😊.

Anja den Ouden – bringt ihr Ernährungswissen und ihre organisatorischen Fähigkeiten in die Gesundheitsarbeit von „Completer is Beter“ in den Niederlanden ein. Daneben arbeitet sie in der Verwaltung. In ihrer Freizeit gärtnert sie gerne und backt Brot. Dabei nutzt sie die Gelegenheiten, die Gott ihr schenkt, um den Menschen in ihrem Umfeld das Evangelium weiterzugeben.


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